Heinrich_Heine_Wanderwegtafel_auf_dem_Aufstieg_von_Ilsenburg_auf_den_Gipfel_des_Brockens

Ein etwas doch längerer Spaziergang zum Brocken-Gipfel

Beim Aufwachen merkten wir, dass unsere kleine Runde vom Vortag um den Hexenberg und Bodekessel doch schwerer in den Beinen lag als geplant. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, den höchsten Berg Norddeutschlands:) mit dem respektvollen Namen „Brocken“ zu besteigen. Alles nur eine Kopfsache, die bei den ersten schmerzhaften Schritten des Tages wie Hohn klingt.

Mit der Hoffnung, dass der „dicke“ Brocken nicht seinen Namen alle Ehre macht und eher einem längeren Spaziergang gleicht, entschied ich den für uns kürzesten Weg für den Aufstieg den Heinrich-Heine-Wanderweg zu nehmen. Runter ins Tal sollte uns gemütlich die schmalspurige Brockenbahn bringen.

Auf den Spuren von Heinrich Heine

Der 11km lange Heinrich-Heine-Wanderweg starte für uns kurz hinter Ilsenburg. Leider fährt die Bahn nicht dorthin, sondern nur ins benachbarte Wernigerode. Internet sei Dank konnte ich nach etwas umständlicher Recherche rausfinden, dass die Busline 274 uns von Wernigerode nach Ilsenburg zurückbringen würde.

Unser Startpunkt war der Wanderparkplatz im Ilsetal. Unverstänlicherweise ganzjährig gebührenpflichtig.

Der Heinrich-Heine-Wanderweg ist mit E9 super ausgeschildert und wird auf manchen Seiten als der schönste Aufstieg zum Brocken mit tollen Ausblicken beschrieben.

Schild_mit_Wanderwegen_vom_Parkplatz_Ilsetal
Parkplatz Ilsetal – unser Startpunkt

Der Beginn der 800 vor uns liegenden Höhenmetern war jedenfalls sehr vielversprechend. Bei fast frühlingshaften Temperaturen ging es entlang des Baches Ilse zunächst pittoresk, mit gemäßigter Steigung entspannt hinauf.

Vorbei am Heine-Denkmal und den Ilsefällen verlässt man kurz danach die Mischwaldzone und wandert weiter durch Nadelwälder.

Harz_Bergbach_Ilse_mit_Wanderpfad

An diesem Tag war aber nix mit tollen Aussichten. Auf einmal änderte sich nicht nur die Vegetation sondern auch das Wetter. Der Höhenunterschied und damit verbundene Temperaturenunterschied machte sich bemerkbar. Auf einmal waren wir von Nebel und Windböen mit Schnee eingehüllt. Hinzu kamen zugefrorene Betonplatten als Wanderundergrund. Wären nicht die anderen Brocken-Besteiger, die teilweise in Turnschuhen und Handtaschen neben uns hinauf liefen, wäre ich etwas nervös geworden.

Aufstieg_zum_Harz_Brocken_Winter_2020_nebelig_eisiger_Boden

 

Aussicht ist egal wenn der Magen knurrt

Irgendwann kamen wir auf dem völlig nebelbehangenem Gipfel an. Also keine Aussicht als Belohnung, aber dafür eine Berghütte voller Brockenbahnreisender, die ausgehungert auf ihre Pommes warteten. Irgendwann bekamen auch wir unsere warme Mahlzeit. Nach 2 Tellern Erbsensuppe und Milchreis ging es hinaus in die kalte Harzer Bergwelt.

Aber anstatt am Bahnhof auf die nächste Abfahrt mit der Bahn zu warten, liefen wir voller frischer Energie einfach weiter runter. Spontane Planänderung bei der uns die Leichtigkeit des Bergabschrittes beflügelte. Da ich nichts langweiliger finde als den gleichen Weg wieder zurück zulaufen, ging es diesmal erst mal die Brockenstraße Richtung Schierke, um bei der nächsten größeren Kreuzung links wieder Richtung Ilsenburg abzubiegen.

Hier erwartete uns eine weitere Überraschung namens Waldsterben. Waldsterben hört sich für mich als Stadtmensch abstrakt an. Man kann sich das irgendwie nicht vorstellen. Eine komplett zerstörte Landschaft gehört in ein Szenario eines dystopischen Untergangsfilms. Es ist bedrückend und deprimierend selbst kilometerlang durch so eine Gegend mitten in Deutschland zu laufen. Rechts und links des Weges kompletten Hänge nur übriggebliebene Stammstile zu sehen und das eine Stunde lang. Diffuse Gedanken jagen mir durch den Kopf. Angefangen bei „Das ist normal, ist ja nur eine Baumplantage mit Fichten, ein Mischwald würde so nie enden“ bis „ Das ist der Anfang vom Ende der Wälder in unseren Breitengraden. Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten. Das ist der Preis für unseren Wohlstand…“.

Harz_abgestorbener_Fichtenwald_kilometerweit_Januar_2020
Kilometerweite Verwüstung

Irgendwann fanden wir uns an der Ilse wieder und folgten ihrem Lauf in völliger Dunkelheit bis zum unseren Ausgangspunkt.

Unser geplanter Brocken-Spaziergang artete zu einer über 20 km langen Brocken-Tageswanderung aus, aber gemäß des Mottos „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“ waren wir hat uns jeder Meter glücklich gemacht.

Letzten Tag unseren Harz-Kurzurlaubes verbrachten wir bummelnd durch das das schöne Quedlinburg.

Bildimpressionen vom Brocken

Harz_Brocken_Gipfel_Sendeturm_im_Nebel
Brockengipfel mit viel Nebel und kaum Sicht

 

Verwuestete_Fichtenwaelder_Harzgebirge_2020
Ergebnis von 2 Jahren Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme

 

Harz_Ilsefaelle_im_Winter_2020
Ilse Wasserfällchen

 

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