Wohnwagen mit Ausblick auf die Ostsee

Dank Corona – Wunderbarer Sommerurlaub mit Wohnwagen durch D

Je älter die eigenen Kinder werden, desto schwieriger wird es sich auf einen gemeinsamen Sommerurlaub zu einigen. Schließlich wollen alle berechtigterweise mitreden. Zwei Meinungen ist eben leichter unter einen Hut zu bringen, als drei oder vier. In unserem Fall bedeutete das, dass die einen nicht fliegen wollten, aber andere wiederum unbedingt Strand und viel Sonne wollten, um nur einen Interessenkonflikt zu nennen. Nach langer Diskussion hatten wir uns auf einen gemeinsamen Familienurlaub geeinigt, auf den auch alle Lust hatten und das bereits im Februar. 

Es sollte eine Reise mit den Wohnwagen nach Nord-Portugal werden. Vom Ruhrgebiet aus  immerhin 2000 km in eine Richtung. Die Sinnhaftigkeit einer solchen Reise aus Umweltaspekten lässt sich stark anzweifeln, aber so ist das eben mit Kompromissen.

Ungewöhnlich zeitige Urlaubsplanung

Diese für uns sehr zeitige Urlaubsplanung, wurde mit Entschluss gekrönt, uns spontan auch einen Wohnwagen zu kaufen und nicht zu mieten! Aus Erfahrung wussten wir, dass zur Schulferienzeiten die Mietpreise für Camping-Mobile teilweise unverschämt teuer werden. Nach einer längeren Recherche musste ich feststellen, dass gebrauchte Wohnwagen ziemlich wertstabil sind oder aus Käufersicht im gebrauchten Zustand einfach ausgedrückt unerwartet teuer sind. So entschied ich mich einen kleinen Wohnwagen, der eine Saison im Mietbetrieb im Einsatz war und damit neuwertig dahin kam, bei einem seit Jahrzehnten auf Campingsfahrzeuge spezialisierten Händler zu kaufen.

Wohnwagen_mit_BMW1_Spuerkel_Bochum

Freudig aufgeregt holten wir den Wohnwagen beim Händler im schönen Bochum ab. Unserer Reise über die Normandie und Nordspanien nach Porto schien nichts mehr im Wege zu stehen.  Unsere gemeinsame Vorfreude stieg von Woche zu Woche.

Bang! Corona ist da.

Nicht eine Umweltkatastrophe, nicht irgendein Terroranschlag, nicht irgendein technischer Defekt, sondern wie bereits mehrfach in der Menschheitsgeschichte ein echter Virus hat innerhalb weniger Tage Woche unsere modernen Gesellschaften ins Wanken gebracht. Innerhalb weniger Tage wurde nicht nur unsere Reiseplanung, sondern unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Auf einmal stellt sich nicht die Frage, ob Menschen an dem Virus sterben werden, sondern wie viele. Wie schlimm wird das alles? Ist es überhaupt angemessen in solchen Zeiten an Urlaub zu denken? 

In Spanien wurde ein Lock-Down von der Regierung verhängt. Die Spanier durften wochenlang ihre Häuser nicht verlassen. In Portugal wurden Campingplätze geschlossen und deutsche Wohnmobilreisende konnten nicht nach Deutschland zurückkehren, da man für den Transit durch Spanien eine Sondererlaubnis brauchte. 

Naiv hoffnungsvoll entschloss ich mich, unsere Reise umzuplanen. Eine Reise durch D, wie Deutschland, ohne zu wissen, ob Corona es überhaupt erlauben wird. Wasser und Strand in Deutschland zu finden ist nicht so schwer. Für das “gute” Sommerwetter wird schon der Klimawandel sorgen. 

Eine Woche an einem See in der Müritz und anschließend eine Woche an der Ostsee waren schnell gebucht, aber nur unter Vorbehalt bestätigt.

Wochen vergingen und es kam keine Corona-bedingte Stornierung. Kurz vor Abreisedatum zur Sicherheit die Campingplätze angerufen. Wir konnten tatsächlich unsere Reise antreten.

90 km pro Stunde sind schnell genug, um…

Das Reisen mit einem Wohnwagen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km fühlt man sich auf deutschen Autobahnen positiv ausgedrückt entschleunigt und negativ ausgedrückt wie ein Verkehrshindernis. Alles eine Frage der Sichtweise. Vorteil eines 1 Tonne schweren Ersatzheims das man hinter sich herzieht, sind die recht gemütlichen Pausen. Man spart sich den Gang zur Raststätte. Schließlich hat man eigenes Klo dabei und der Kaffee mit Stärkung kommt aus der eigenen Küche. Also alles richtig schön Corona konform.

…pünktlich am Ziel anzukommen

Ohne es zu wissen oder gar geplant zu haben, kamen wir gerade so pünktlich kurz vor Schließung der Rezeption am Campingplatz Drewensee an. Kurze Einweisung bezüglich der Corona Hygienevorschriften des Campingplatzes, die sich eigentlich auf die Pflicht stets innerhalb der öffentlichen Gebäude eine Maske zu tragen beschränkten und kurz danach war unser Mobilheim sogar mit Seeblick aufgebaut.

Formschoenes_Oldtimerwohnmobil
Mit so einem schönen Oldtimer-Wohnmobil darf Nachbar auch den Ausblick auf den See versperren

Mitten im Wald direkt am See gelegen, kam sofort Urlaubsfeeling auf. Eine Woche mit viel frischer Luft und viel Natur erwartete uns. Viel Ruhe war garantiert. Die nächste laute Bundesstraße oder der nächste größere Ort namens Wesenberg mit Einkaufsmöglichkeiten ist immerhin 5 km entfernt.

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Einfach treiben lassen – auf dem Drewensee

Der Drewensee ist wasserstraßentechnisch eine Sackgasse. Vielleicht deswegen ist der See total entspannt. Kaum Motorbote, keine Sportbote, nicht mal viele Segelbote sind auf dem Wasser. Mit einem Kanu oder Kajak gehört der See quasi einem alleine. Den See in einem Kajak oder Kanu zu entdecken ist also ein Muss. Schwimmen, Radfahren, Wandern und das alles ziemlich angenehm einsam, so dass man auch mal eine Stunde keinen anderen Menschen trifft, sind die Attraktionen dieser schönen Gegend. 

Wiesen mit Kuehen bei Wesenberg
Natürlche Landschaftspfleger bei Wesenberg

Rügen – ein Wiedersehen nach 16 Jahren

Nach einer Woche war es an der Zeit Richtung Norden aufzubrechen. Mit Hoffnung auf etwas mehr Sonnenschein, fuhren wir schnurstracks nach Rügen. Für uns ein Wiedersehen mit Rügen nach 16 Jahren. Damals konnte unsere Tochter noch nicht Laufen…also war auch ein gehöriges Stück Nostalgie im Gepäck dabei.

Unser Reiseziel 2020 war ein Campingplatz mit Seeblick in der nordwestlichsten Ecke von Rügen in dem Örtchen Dranske. Dranske ein kleiner windiger Ort, der uns fast jeden Abend mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnte.

Sonnenuntergang_Campingplatz_Dranske
Sonnenuntergang Campingplatz Dranske auf Rügen

Dranske ist ein guter Ausgangspunkt, um den Norden von Rügen mit dem Fahrrad zu erkunden und die schönen Sandstrände zu erreichen. Ostseestrände, die bei schönem Sonnenwetter im Sommer einem Mittelmeerstrand im nichts nachstehen. Sogar die Ostsee zeigt sich dann in kristall-grünblauer Farben und die Strandbesucher sind so wunderbar mannigfaltig, wie sonst selten wo anders in Deutschland.

Ruegen_Ostseestrand_Sommer_2020
Rügen Ostsee 2020 – Sommerfeeling pur

Es gibt noch weitere Sehenswürdigkeiten auf Rügen, die man aber nicht unbedingt besucht haben muss. Kap Arkona und ehemalige Fischerdörfchen Vitt haben wir unangenehm überlaufen erlebt.

Die weißen Klippen im Osten sollte man in den frühen Morgenstunden besuchen, dann strahlen die Kreidefelsen grellweiß und die Besucherströme sind noch nicht auf den Beinen. Alternativ haben wir an einem Regentag den Rundgang erst am Nachmittag angetreten. Da waren die meisten Besucher bereits auf dem Rückweg. Und das sind nicht wenige. Der Besucherparkplatz im Örtchen Hagen hat eine Kapazität von fast 1000 Autos.

 

Ruegen_Steilkueste_Sommer_2020
Ufer unterhalb der Kreidefelsen mit Ostsee-Schwänen

Hiddensee ist einfach schön (entspannt)

Für diese Sehenswürdigkeit sollte man sich aber tatsächlich viel Zeit nehmen. Hiddensee – eine Insel, wo neben dem elektrischen Postauto und Polizeiwagen die schnellsten Fahrzeuge Pferdekutschen sind, ist eine Reise in die Vergangenheit, die man sich entgehen lassen sollte.

Nach 2 wunderbaren Wochen sind wir sogar mit etwas Hautbräune nach Hause zurückgekehrt. Dabei war die Rückreise definitiv weniger anstrengend als, wenn wir halb Europa für die Heimfahrt hätten durchqueren müssen. Portugal sei nicht böse, aber wir haben dich nicht vermisst.

 

Impressionen

Drewensee_Kanu_mit_Regenschirmen_als_Segel
Voll im Wind – gut, dass wir Regenschirme dabei hatten
Hiddensee_Wanderung_noerdlich_Leuchtturm
Hiddensee pur
Kanu auf dem Drewensee
Drewensee war an diesem Tag nur für uns da
Nationalpark_Jasmund_Buchenwald
Beeindruckender Buchenwald Nationalpark Jasmund
Binz Corona-Sommer 2020
Strandbad Binz nicht ganz so leer im Corona-Sommer