Blauer_UNU-Elektroroller_am_Rhein_Kilometer_781

UNU-ElektroRoller – Der fast perfekte E-Flitzer für die Stadt

– Artikel enthält unbezahlte Markennennungen-

Nach über 5000km Laufleistung vorab hier erst mal ein Lobesliedchen: Es macht immer noch täglich einfach nur Spaß mit dem UNU-ElektroRoller im Stadtverkehr “mitzuschwimmen. Ich liebe es mit dem kleinen und leichten UNU geräuschlos mit hoher Geschwindigkeit durch die Kurven zu schweben – dabei überkommt mich immer wieder ein Freudegefühl und leichtes Grinsen. Am Abenden von heißen Sommertagen würde ich am liebsten garnicht aufhören zu fahren…

Ein Preis ist immer relativ

Ich fahre den 45er UNU-ElektroRoller in der stärksten 3kW Version und habe vor knapp 2 Jahren nach einem 10% Winterrabatt 2500 Euro für ihn bezahlt.

Das ist im Vergleich zu den Nobelmodellen von Schwalbe und Piaggio, die es mittlerweile auf dem Markt gibt und beide über 5000 Euro kosten, augenscheinlich erst mal ein Schnäppchen. 

Im Vergleich zu einem Benziner sind 2500 Euro dagegem relativ viel Geld. Ich bin mir aber sicher, dass der UNU in der Gesamtkostenbetrachtung im Vergleich zu einem Benziner-Roller gut abschneiden (würde). Warum “würde”, erkläre ich später.

UNU-Elektroller_Anlieferung_auf_einer_PapppaletteDer UNU-ElektroRoller kann ausschließlich online auf der UNUMotors Seite bestellt werden und wird auf einer Sonderpalette aus stabiler Pappe einem an die Bordsteinkante von einer Spedition geliefert. Das hat im meinem Fall alles wunderbar funktioniert.

Die Reichweite des UNU-ElektroRollers

Ich nutze den UNU-Roller hauptsächlich als Pendelfahrzeug, um mit ihm 8 km täglich zum Hauptbahnhof zu gelangen und das bei fast jedem Wetter. Faktisch kann ich zu der maximalen Reichweite keine finale Aussage treffen, da ich den UNU noch nie auf das letzte Watt runtergefahren habe sollte man auch nicht machen.

So ist mein Erfahrungswert, dass nach den täglichen 16km die Ladeanzeige stets über der Hälfte der Ladekapzität anzeigt.Dies hat sich auch über die gesamte bisherige Lebensdauer von 5200km nicht geändert.

Ich habe auch keine großen wetter- oder temperaturabhängigen Unterschiede festgestellt.

Ich selbst bin knapp 90kg schwer und der übliche Streckenverlauf flach. Unter diesen Rahmenbedingungen schätze ich die Reichweite auf realistische 40 km ( UNU gibt 50km an). Allerdings drosselt der UNU auf den letzten Kilometern der Reichweite die Geschwindigkeit auf ca.25km/h. Dann ist aber höchste Zeit aufzuladen

Tacho_des_UNU-Elektrorollers_mit_Akkustandanzeige
Akkustand nach 16km

Das halte alles ich für einen Stadtflitzer für völlig ausreichend. In den 2 Jahren habe ich noch nie Reichweite vermisst.

Zur Not kann man den herausnehmbaren Akku ja an jeder Steckdose nachladen!

Alltagstauglichkeit des UNU-ElektroRollers

Der herausnehmbare Akku ist für die Alltagstauglichkeit nicht zu unterschätzen. Das geht beispielweise bei der Schwalbe und Piaggio nicht.

Des weiteren ist der UNU aufgrund seiner kleinen Größe und des geringen Gewichts sehr wendig und damit wie geschaffen für die Stadt. Obwohl er für 2-Personen theoretisch zugelassen ist, halte ich ihn in dieser Hinsicht nicht für praxistauglich. Mit meinen 1,85 Metern ist bei einer bequemen Sitzposition kein Platz für eine 2 Person hinter mir. Ausserdem lassen die Fahrleistungen deutlich nach, wenn zwei Personen zusammen 140kg auf die Waage bringen. 

Auch die Tatsache, dass der Helm nicht in den Stauraum unter den Sitz passt, wenn eine Batterie drin ist, ist nicht optimal. Das wird bei dem neuen Modell des UNUs aber möglich sein.

UNU-Elektroroller_Stauraum_mit_einem_Akku
Kein Plazt für Helm, aber viele für viele Kleinigkeiten

Fahrleistungen des UNU-ElektroRollers

In der letzten Ausgabe der ADAC-Mitgliederzeitschrift gab es einen Test von 7 E-Rollern (ADAC Motorwelt, 07/2019, Artikel “Flotte E-Flitzer”). In diesem Test hat der UNU-Roller bezüglich der Bremsen und der Beschleunigung schlecht abgeschnitten.

Insbesondere den Kritikpunkt Beschleunigung kann ich nicht nachvollziehen. Von dem UNU gibt /gab es ja drei Motorvarianten 1kW, 2kW und 3kW. Dem  ADAC-Testbericht konnte ich nicht entnehmen, welche Variante getestet wurde. Ich kann nur sagen, dass mein 3kW UNU bisher jeden normalen (nicht getunten) Roller an der Ampel abgehängt hat. 

Zu den Bremsen kann ich nicht viel sagen, da mir der Vergleich zu anderen Modellen fehlt. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass die zu schwach sind. Für mich bedeutet Roller fahren möglichst vorausschauend zu fahren, so dass ich starkes Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten versuche zu vermeiden. Ein Vollbremstest ist deswegen für mich nicht so entscheidend, wie das schnelle Ansprechverhalten und die feine Dosierbarkeit der Bremsen.

Was ich persönlich etwas ärgerlich finde bzw. fand, dass der Roller tatsächlich genau bei 45km/h abgeriegelt ist. Auf breiten Stadtstraßen, wo Autofahrer schon mal die 50km/h Geschwindigkeitsbegrenzung aus dem Bewusstsein verlieren, wünscht man sich etwas mehr Endgeschwindigkeit. Das hat sich aber gefühlt und laut Tacho tatsächlich von allein eingespielt zu haben. Mein UNU erreicht seit einiger Zeit tatsächlich regelmäßig die 50km/h.

Die Qualität hat Schattenseiten

Der UNU hat einen qualitativ hochwertigen Akku und einen Elektro-Nabenmotor von Bosch. Beides funktioniert super. Der Nabenmotor ist komplett im Hinterrad verbaut und braucht damit keine Kette oder Zahnriemen. Er ist damit pflegefrei und funktioniert an meinem UNU bisher einwandfrei.

Der Akku hat bei mir über 300 Ladezyklen bisher schadlos überstanden. Wie oben beschrieben, ist die Kapazität und damit Reichweite nach 5200 km unverändert. Der Anschluss an das Ladekabel ist sehr solide konstruiert und erscheint so, dass er auch die Lebensdauer des Akkus überleben wird.

Jetzt kommt aber das große ABER.

Die restlichen Bauteile des UNU-EletroRollers sind normaler “China-Schrott”. Es ist alles aus Plastik und qualitativ minderwertig. Es fühlt sich nicht auf den ersten Blick so an, aber spätestens auf den zweiten.

In den knapp 2 Jahren ist einiges bereits an meinem UNU kaputt gegangen. Einfach so, ohne Unfall, Sturz oder Fremdeinwirkung.

Als erstes ist mir nach wenigen Wochen während der Fahrt einfach ein Spiegel abgefallen. Neben einem großen Schreck ist glücklicherweise nichts passiert.

UNU-Elektroroller_abgebrochener_Spiegel

Dann war nach gerade mal 2000km das vordere Radlager komplett zerschliessen

Zuletzt ist die Aufhängung des Vorderkotfkügels abgebrochen.

Und das alles innerhalb von nur 18 Monaten…

Garantie und Service kann man sich nicht verlassen

Der UNU-Roller hat eine 2-jährige Garantie. Wenn ich im Internet ein NoName Produkt für immerhin knapp 3 Tausend Euro Listenpreis kaufe, dann ist eine solche Garantie ein ausschlaggebendes Kaufargument.

Allerdings ist die Abwicklung der Garantiefälle durch das Service-Center von UNU eine Zumutung. Was bei dem Spiegel noch relativ unkompliziert ablief, wurde dann vom Garantiefall zum Garantiefall immer absurder.

Beim Radlager sollte ich zusätzlich zu einem Formular eine Filmaufname während (!) der Fahrt von dem Vorderrad machen! Erst danach durfte ich bei der Service-Werkstatt aufsuchen.

Die defekte Kotflügelaufhängung wurde bei der Inspektion festgestellt. Nach vielen, vielen E-Mails und nach so mancher rechtlicher Falschaussagen seitens des Service-Centers, habe ich den Kotflügel aus angeblicher Kulanz (!) erhalten, aber UNU weigerte sich bis zuletzt die Kosten für den Einbau zu übernehmen.

Diese Produktpolitik ist für mich nicht nachvollziehbar. Ein tolles Produkt, wird aufgrund von einigen Billig-Bauteilen gesund kalkuliert, die schließlich aber zu einem hohen Imageschaden führen. 

Ich bin mir sicher, dass die Zielgruppe einen um einige Euro höheren Verkaufspreis akzeptieren würde, um dafür als Gegenleistung eine bessere Qualität der Standardteile zu erhalten. Ich hoffe UNU wird bei neuem Modell dies beherzigen. 

Zumindest liegen die Verkaufspreise für das neue Modell schon mal ca. 450 Euro über meinem Classic Modell.

Die Gesamtkosten für UNU nicht kalkulierbar

Aufgrund der beschrieben schwachen Qualität und des unzumutbaren Kundendienstes sind die Gesamtkosten des UNU-Rollers nicht kalkulierbar. 

Was wird noch alles und wann an dem UNU kaputt gehen. Was werden die Ersatzteile kosten? Werden diese nur teuer über UNU beziehbar sein? Alles Fragen, die mir den Spass an dem UNU noch verderben könnten. Es wäre schade, wenn ein umweltfreundliches und zeitgemäßeses Produkt aufgrund zu hohen Erhaltungskosten viel zu früh auf dem Schrotthaufen landen müsste.

Die normalen laufenden Kosten sind sehr überschaubar. Der Stromverbrauch soll bei ca.1 Euro auf 100km liegen. Kann dies aber nicht nachmessen. Kann nur sagen, dass die letzte Stromjahresrechnung sich kaum verändert hat (im Vergleich zum Zeitraum ohne UNU).

Geladen mit Öko-Strom bleibt der UNU ElektroRoller (vorerst) für mich das Stadtvehikel Nummer 1!

UNU-Elektroroller_mit_Stahlwerk_im_Hintergrund

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