Ich halte Elektrofahrräder grundsätzlich für eine tolle Erfindung. Ich sehe viele Leute die ohne den Elektromotor nicht (mehr) Fahrrad fahren würden. Ich selbst brauche so ein E-Bike aber nicht, dachte ich lange Zeit.
Habe mir zwar gelegentlich das Elektroklapprad meiner Frau ausgeliehen, aber grundsätzlich war ich mit meinen unmotorisierten Fahrradfuhrpark zufrieden.
Jeder in der Familie hat nämlich mehrere Fahrräder in der Garage zur Auswahl stehen. Ich bin überzeugt, dass es sich mit Radfahren ähnlich verhält wie mit der Kleidung beim schlechten Wetter. Es gibt nicht das falsche Wetter oder Gelände zum Fahrradfahren, man braucht nur das passende Fahrrad.
Wie bereits in einem anderen Beitrag geschwärmt, bin ich darüber hinaus seit einigen Jahren begeisterter Fahrer eines UNU E-Rollers. Der 45er E-Roller verrichtet nach gut 10 Tausend Kilometern im Großstadtverkehr weiter seinen Dienst.
Wieso noch ein Elektrofahrrad?
Persönlich fahre ich zwar sehr gern Fahrrad, aber sobald ich in die Pedale trete, fange ich am Rücken an zu schwitzen. Dabei ist es quasi egal, wie langsam entspannt ich versuche zu radeln. Damit kommt das Fahrrad als Untersatz für den Weg zur Arbeit oder Besuch eines Cafes o.ä. nicht in Frage. Erst verschwitzt und dann miefend den Tag am Tisch zu verbringen, möchte ich niemanden zu muten.
Der E-Roller ist im Sommer eine tolle Mobilitätsalternative, funktioniert aber tatsächlich nur bei Trockenheit und Wärme richtig gut für mich und ist mittlerweile zum Schönwetterfahrzeug degradiert worden. Denn sobald die Temperatur unter 10 Grad Celsius fällt, kriecht bei 50 km/h der kalte Fahrwind mir in die Knochen. Bei mir brauchen danach insbesondere Hände und Oberschenkel eine gefühlte Ewigkeit um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.
Persönliche Vorteile eines Elektrofahrrads
Für mich hat deswegen vor allem bei kaltem, trockenem Wetter ein Elektrofahrrad klare Vorteile gegenüber meinem E-Roller und unmotorisierten Fahrrädern. Durch die Bewegung erzeugt man genug Wärmeenergie um nicht zu frieren. Auf der anderen Seite hilft der Elektromotor, um nicht sofort ins Schwitzen zu kommen.
Qual der Wahl
Aus diesen Gründen entschloss ich mich 2021 doch ein Elektrofahrrad anzuschaffen und hatte die Qual der Wahl im Überangebot der E-Bikes.
Relativ schnell haben sich jedoch als potentielle Kauf-Kandidaten die Elektrofahrräder von den Startup-Firmen Vanmoof und Cowboy für mich herauskristallisiert. Beide Fahrräder sind für den Stadtverkehr konzipiert. Haben zwar keine riesige Reichweite und überschaubare Motorleistung, aber dafür in den Rahmen integrierte Lichtanlage, stabile Schutzbleche aus Blech in Rahmenfarbe und gute Hydraulik-Scheibenbremsen. Hörte sich nach praktischer Langlebigkeit an. Genau mein Ding.
Wie ich ein Cowboy wurde
Nach einer Probefahrt und einem Sonderpreis zum Modelwechsel habe ich mich spontan für das Cowboy 3 Classic-Model entschieden. Es gab aber auch noch weitere sachliche Gründe die für den Cowboy sprachen.
Herausnehmbarer Akku und das Gesamtgewicht inkl. Akku von nur knapp 17 kg. Dadurch schaffe ich das Rad auch mal eine Bahnhofstreppe hoch zu tragen.
Statt einer Kette wird der Cowboy von einem Keilriemen angetrieben. Damit gehören ölverschmierte Hosenbeine oder Waden tatsächlich der Vergangenheit an und man spart sich die aufwendige Kettenpflege.
Darüber hinaus besaß der Cowboy bereits im Jahr 2021 eine AdaptivePower-Unterstützung. Das bedeutet, dass der Elektromotor dann am meisten Power liefert, wenn man sie am Berg oder bei der Anfahrt am dringendsten braucht. Ansonsten hält sich der Motor angenehm zurück. Im Ergebnis erhält man ein natürliches Radelgefühl und entscheidet selbst, ob man mit weniger Anstrengung so schnell unterwegs ist wie ohne Motor oder mit gleicher Anstrengung mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h über die Fahrradwege fliegt.
Dabei kommt der Cowboy komplett ohne Schaltung aus!
Was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.
Schwächen meines Cowboys 3
Da der Cowboy 3 in der Regel bei mir nur beim kalten, trockenen Wetter zum Einsatz kommt, sind nach 4 Jahren erst etwas mehr als 2000km zusammen gekommen.
In der Zeit haben sich bei meinem Cowboy 3 zwei Schwachstellen hervorgetan, die nah bei einander liegen und vielleicht auch irgendwie zusammenhängen. Der Cowboy hat statt einer großen Sattelstützschraube zwei kleine Schrauben die hinter der herausnehmbaren Batterie versteckt sind. Das hat zwar den Vorteil, dass die Sattelstütze samt Sattel nicht einfach im Vorbeigehen geklaut werden kann, aber gleichzeitig schaffen die 2 kleinen Schrauben nicht genug Kraft auf die Sattelstütze auszuüben. Meine 90 Kilogramm Lebensgewicht reichen aus, dass die Sattelstütze regelmäßig beim Fahren einige Millimeter in das Sattelrohr rutscht und ich die Sitzhöhe dann neu einstellen muss.
Gravierender in der Wirkung war die Tatsache, dass der eingelegte Akku während der Fahrt immer wieder Kontakt zu dem Akkuanschluss im Rahmen verlor, der sich in unmittelbarer Nähe der Sattelstützschrauben befindet. Somit wurde während der Fahrt ständig die Motorunterstützung unterbrochen. Das Problem und die Lösung war dem technischen Cowboy Support bekannt. Um die Lücke zwischen den elektrischen Kontakten zu schließen, bietet Cowboy dünne Plastikspacer an, die hinter den Akkuanschluss eingebaut werden müssen. Da mein Cowboy zu dem Zeitpunkt bereits außerhalb der Garantie war, habe ich den Einbau selbst durchgeführt. War nicht ganz einfach, aber mit einer Anleitung von Cowboy machbar. Alternativ hätte man bei Cowboy einen technischen Vorort-Techniker bestellen können. Das hätte zwar etwas gekostet, aber der pauschale Betrag war mit unter 100 EUR für eine Vorort-Reperatur überschaubar.
Für mich sind aber beide Mängel die Folge einer Konstruktionsschwäche des Cowboys 3. Kann nur hoffen, dass Cowboy diese Schwäche in den neuen Modellen beseitigt hat.
Nachhinein ist man immer schlauer
In 2021 war unvorhersehbar, dass der Kauf eines Produktes der beiden Startup-Unternehmen eine riskante Entscheidung darstellen würde. Beide Unternehmen sind nämlich in der Zwischenzeit (fast) insolvent gewesen und wurden von Großinvestoren übernommen. Da die Funktionstüchtigkeit der Fahrräder beider Marken stark von der Ihrer App abhängig ist, führte die vorübergehende Insolvenz von Vanmoof dazu, dass die Fahrräder von Vanmoof für deren Besitzer nicht nutzbar waren, da der Server für die App nicht erreichbar war.
Bei Cowboy hatten die finanziellen Schwächen für mich als Stammkunden keine so gravierenden Auswirkungen. Es gab allerdings meines Wissens nach für Neukunden Lieferengpässe und Rückrufaktionen für die neuen Modelle.
Fazit: Cowboys keep on riding
Die Firma Cowboy wurde in diesem Herbst 2025 von einem französischen Großunternehmen übernommen, so dass das Fortbestehen der Marke und die Funktion der Räder hoffentlich gesichert ist.
- Denn auf dem Asphalt macht der Cowboy richtig Spaß!
- Mein gewünschter Einsatzzweck hat sich erfüllt. Am liebsten bin ich tatsächlich mit dem Cowboy bei kaltem, trockenen Wetter unterwegs – auch in der Dunkelheit des Winters
- Das Fahrgefühl ist dank der Adaptpower und der 42mm dicken Slickreifen richtig geschmeidig!!
- Das Cowboy bedarf im Vergleich zu einem normalen Rad im Alltag kaum Pflege und ist funktional total zuverlässig!!!
Technische Daten des Cowboy 3
Gewicht 16,9 kg (einschließlich Batterie)
Radgröße: 27,5″“
Reifengröße: 42-584 mm
Fahrergröße: 170 bis 195 cm
Durchmesser der Sattelstütze: 27,2 mm
Hinterer Nabenmotor von Cowboy:
Leistung 250W
Drehmoment 30Nm
Lithium-Ionen-Batterie von Cowboy:
Gewicht: 2,4 kg
Reichweite: Bis zu 70km
Aufladezeit: 3.5h
Wattstunden: 360Wh
Kapazität: 10Ah
Lebensdauer: 500 Zyklen
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